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Liebe per Legislative - Das neue Prostitutionsschutzgesetz

Wie eine Gesetzesänderung die Branche in Atem hält - und verunsichert

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24.08.2017 - 11:49:56Prostitutionsschutzgesetz 2017 - Frau nimmt Geld von Freier entgegen

Sex mit Prostituierten scheint zwanglos und wirkt daher auf viele besonders verlockend. Was hinter der Maschinerie aus Liebe, Lust und Laster steckt, wissen nur wenige. Jetzt wird das Befriedigen von Begehrlichkeiten sogar per Gesetz geregelt. Doch so neu wie die meisten Medien tun, sind die aktuell geltenden Vorschriften gar nicht - jedenfalls nicht alle und jedenfalls nicht in dieser Form.

Der Reiz käuflicher Reize

Manche Menschen fühlen sich von Verpflichtungen jedweder Art abgestoßen. Bereits der Gedanke an feste Bindungen löst bei ihnen unangenehme Empfindungen aus. Vom Aufsetzen einer Heiratsurkunde oder dem Abschluss eines Ehevertrages wollen sie schon gar nichts wissen. Etliche dieser Personen scheuen sogar davor zurück, überhaupt eine zwischenmenschliche Beziehung einzugehen. Sie nehmen zur Befriedigung körperlicher Bedürfnisse lieber die Dienste von Prostituierten in Anspruch.

Dass es im Umgang mit den Damen und Herren des Erotik-Gewerbes jedoch ebenfalls gewisse Regeln einzuhalten gilt, ist den meisten nicht bewusst. Jüngstes Beispiel ist das kürzlich in Kraft getretene Prostituiertenschutzgesetz. Es wurde am 21. Oktober vergangenen Jahres unter dem offiziellen Kürzel ProstSchG erlassen und ist seit dem 01. Juli 2017 gültig. Was genau es beinhaltet, erläutern wir Euch hier:

Weit reichende Wurzeln

Das neu erlassene Gesetz fußt auf einer Reihe von Regeln, die es länger gibt als Ihr glaubt. Das erotische Gewerbe ist zwar alt; war aber zu keiner Zeit seines Bestehens ein rechtsfreier Raum. Im Gegenteil: Durch alle historischen Epochen hinweg standen Prostituierte stets unter besonderem Schutz. Inwieweit dieser ihnen zum Vor- oder Nachteil gereichte, ist damit nicht gesagt. Im ersten Teil unseres Beitrages wollen wir die geschichtlichen Hintergründe etwas näher beleuchten, denn sie schärfen den Blick für die Notwendigkeit des scheinbar so einschränkenden Prostituiertenschutzgesetzes.

Dem Himmel ganz nah: Die Tempeldienerinnen der Antike

Die ersten Maßnahmen zum Schutz von Erotik-Dienstleisterinnen datieren aus antiken Hochkulturen. Unter den Azteken und Babyloniern soll es eine ganz besondere Form von käuflicher Liebe gegeben haben: den Sex mit Frauen, die in Gotteshäusern tätig waren. Wer sich mit einer Tempeldienerin vereinigte, war dem Himmel angeblich besonders nah. Dementsprechend begehrt war diese Leistung auch. Doch wer den Frauen unaufgefordert nahe kam, sich unerlaubt an ihnen vergriff oder sie auf sonstige Art bedrängte, hatte mit schweren Strafen zu rechnen.

Hochgestellt, hochgebildet und hochbezahlt: Griechisch-römische Hetären

Die lustfreundlichen Griechen und Römer kannten gleich zwei Varianten des erotischen Vergnügens: den Sex mit Dirnen und die Gesellschaft hochgebildeter Hetären. Letztere stammten meist aus gutem Haus oder gehörten sogar einer höheren Gesellschaftsschicht an. Ihre Dienste umfassten jegliche Art der Unterhaltung und mussten teuer erkauft werden - weswegen sich nur reiche Bürger Hetären leisten konnten. Im Gegenzug konnten sie und ihre Gäste mit den Damen philosophisch, musisch oder politisch thematisierte Gespräche führen. Wiederholten oder besonders interessanten Auftraggebern stand eine Hetäre auch sexuell zur Verfügung. Daher bemühten sich viele Kunden, ihr den Aufenthalt im eigenen Haus so angenehm wie möglich zu machen.

Dienst nach Vorschrift: Geishas und Gisaengs

Ähnlich verhielt es sich mit den Prostituierten asiatischer Länder. Auch hier unterschied man zwischen reinen Sex-Dienstleisterinnen und speziell geschulten Gesellschaftsdamen. Die Ausbildung zur Geisha oder Gisaeng begann gewöhnlich bereits im Kindesalter und umfasste mehrere Jahre. Der Preis für Unterhaltung durch Musizieren, Tanzen, Schauspiel oder die traditionelle Tee-Zeremonie war daher sehr hoch. Damit die Dienste der aufwändig angelernten Damen im vorgesehenen Rahmen blieben, standen sie unter Aufsicht einer älteren, erfahrenen Geisha / Gisaeng. Sie sorgte für die Vermittlung, Sicherheit und Entlohnung ihrer Mündel - und achtete streng darauf, dass die Erotik asexuell blieb.

Nach eigenen Gesetzen: Die Huren des Mittelalters

Bis zu Beginn der Neuzeit war Prostitution in Europa durchaus geduldet. Die Damen durften ihre Dienstleistungen jedoch nur außerhalb der Stadtmauern verrichten. Hier waren sie jenseits des jeweils geltenden Rechtes und unterstanden nur dem so genannten Hurenweibel. Diese/-r durfte innerhalb ihres / seines Hauses eigene Gesetze geltend machen und stellte damit sowohl die Huren als auch ihre Gäste unter ganz besonderen Schutz. Nicht selten fanden Verfolgte oder für vogelfrei Erklärte bei Prostituierten Asyl, so dass sie sich dem Zugriff der Büttel entziehen konnten.

Mit Herausgabe des "Hexenhammers" und dem Erlass damit verbundener Repressalien änderte sich das gesellschaftliche Bild der Huren. Angehörige des Gewerbes galten plötzlich als unrein, sündhaft und strafwürdig. Der Notwendigkeit gehorchend, ließen die Machthaber Prostitution zwar zu; zwangen den Damen jedoch eindeutige Erkennungsmerkmale, gesonderte Ausgangszeiten und eingeschränkte Umgangsrechte auf.

Mit Stil und Etikette: Kurtisanen und Mätressen

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts lockerten sich die Ansichten wieder. In den Adelshäusern dieser Zeit verkehrten Kurtisanen und Mätressen. Während die einen für das rein private bzw. körperliche Vergnügen bestimmt waren, fungierten die anderen zusätzlich als eloquente und gebildete Gesellschafterinnen. Häufig wurden sie auch für politische Zwecke instrumentalisiert. Als Gegenleistung erhielten Mätressen Geld, Immobilien und / oder ein Amt bei Hofe bzw. einen adligen Ehemann. Erlaubten sie sich jedoch zu viel Meinungsfreiheit oder gar gegensätzliche Ansichten, konnte sie das leicht ihre exponierte Stellung kosten. Dann nämlich fielen Mätressen in Ungnade und mussten sich mit einer kleinen Apanage oder sogar der Verbannung arrangieren.

Die große Ära der Bordelle

Ab 1789 - dem Jahr der Französischen Revolution - änderte sich die Lage für Prostituierte abermals drastisch. Viele der ehemals höfischen Geliebten drängten sich mit angestammten Dirnen auf dem Straßenstrich. Als die Verkehrsdichte dort zu hoch wurde, verboten die Machthaber das Zuschaustellen erotischer Dienste einfach. Infolgedessen verlagerte sich das Geschehen in Hinterhäuser oder -höfe bzw. abgelegene Viertel. Hier waren Prostituierte Betrug und Gewalt nahezu schutzlos ausgeliefert.

Um dem zu entgehen, begaben sich viele in die Obhut einer Puffmutter oder eines Bordellbetreibers. Bei ihr / ihm hatten die Frauen ein Dach über'm Kopf und jemanden, der auf sie aufpasste. Gerieten sie jedoch an schlechtgesinnte Wirtsleute, war die Not groß - denn dann mussten die Prostituierten sich von ihren Freiern alles gefallen lassen und ihren mageren Lohn auch noch komplett an den Hausbesitzer abtreten.

Basis-Benehmen im Bordell

Warum wir unseren historischen Exkurs an dieser Stelle - also etwa Ende des 19. Jahrhunderts - abbrechen, hat seinen Grund: Weil sich die Situation von Sex- und Erotik-DienstleisterInnen seither kaum geändert hatte. Angehörige des wahrscheinlich unentbehrlichsten Gewerbes der Welt agierten auf einem rechtlichen Stand, der im wahrsten Sinne des Wortes von gestern war. Erst der Erlass des aktuell geltenden Prostituiertenschutzgesetzes hat zu nachhaltigen Änderungen geführt.

Allerdings resultierten aus der Blütezeit von Bordellen einige ungeschriebene Regeln, die bis heute nachwirken. Sie ähneln den Gepflogenheiten in mittelalterlichen Huren-Häusern und belegen, welche Vorbildwirkung einzelne Epochen des Erotik-Gewerbes hatten - und noch immer haben. Konkret handelt es sich um folgende Punkte:

Respekt

Was gegenüber Tempeldienerinnen, Hetären und Geishas zum gesellschaftlich guten Ton gehörte, geriet in nachfolgenden Jahrhunderten mehr und mehr zur Kür. Auf Grund eingeschränkter Rechte bzw. auferlegter Verbote und Pflichten gerieten Prostituierte zunehmen an den Rand der Gesellschaft - sowohl im eigentlichen wie im übertragenen Sinne. Seit einiger Zeit achten jedoch vor allem hochwertige Anbieter bzw. Vermittler wieder mehr auf Umgangsformen und respektvolle Behandlung.

Diskretion

Ähnliches gilt für das Wahren persönlicher Grenzen. Während sich Prostituierte ihren Freiern gegenüber IMMER diskret zu verhalten hatten, ließ dieser Aspekt umgekehrt häufig zu wünschen übrig. Allein durch ihre Tätigkeit auf der Straße oder in Bordellen waren Sex-Dienstleisterinnen für jedermann leicht zu erkennen. Heute üben sie ihr Gewerbe nicht mehr zwingend in einschlägigen Etablissements aus und dürfen ihrerseits ebenfalls auf Diskretion bestehen.

Weisungsbefugnis

Herr bzw. Frau im Haus ist die Person, die das Bordell betreibt. Sie darf den Gästen Einladungen oder Hausverbote aussprechen und Verhaltensmaßregeln erteilen. Beispiele hierfür sind der Verweis auf Paar-Besuche, Kleidervorschriften, ein evtl. bestehendes Alkoholverbot oder die Auslastung der Einrichtung. Kunden, die sich über die Anweisungen hinwegsetzen (wollen), müssen mit dementsprechenden Sanktionen rechnen. Gegenüber den Prostituierten gilt eine eingeschränkte Weisungsbefugnis bzw. ein Weisungsverbot (siehe dort).

Preise und Zahlungsmodalitäten

Die Inanspruchnahme von Sex- oder Erotik-Dienstleistungen ist kostenpflichtig. Dafür ausgewiesene / genannte Beträge sind nicht verhandelbar und als Vorauszahlung zu entrichten. Aus diesem Umstand ergeben sich rechtliche Ansprüche, auf die wir in einem später folgenden Abschnitt dieses Textes näher eingehen.

Für den Service, der im Umfeld des Gewerbes geboten wird, müssen die Gäste ebenfalls zahlen - entweder in Form von Einzelpreisen oder via Pauschale. Diese darf jedoch keinerlei erotische Leistungen beinhalten - weswegen sie sich für gewöhnlich auf alkoholfreie Getränke, ein eventuell vorhandenes Buffett, zusätzliche Wellness-Angebote u.ä. erstreckt.

Sauberkeit

Was bereits im "finsteren" Mittelalter klar war, gilt in Zeiten gehobener Hygiene-Standards erst recht: Sowohl in den Häusern als auch unter ihren Nutzern sollte Reinlichkeit herrschen. Dabei geht es nicht um das Erfüllen individueller Schönheitsideale, sondern um erkennbar gepflegtes Auftreten. Erotik-DienstleisterInnen bzw. KundInnen, die diese Ansprüche nicht oder nur unzureichend erfüllen, können seitens der Anbieter zu entsprechenden Maßnahmen aufgefordert werden.

Verhütung

Schon aus praktischen Aspekten waren Prostituierte aller Epochen darauf bedacht, sich vor Schwangerschaften zu schützen. Während die Damen der Antike und des Mittelalters noch ganz offiziell auf überlieferte Kenntnisse in Natur- und Kräuterheilkunde zurückgreifen konnten, gerieten diese Errungenschaften zu Beginn der Neuzeit in Verruf. Zur Anwendung kamen sie trotzdem. Mit Bekanntwerden des Übertragungsweges von Geschlechtskrankheiten waren auch Männer zunehmend auf Schutz bedacht. Zu diesem Zweck fungierten Futterale aus Tierblasen oder Stoff und ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert zunehmend Gummihüllen.

Einige dieser Punkte bleiben auch durch die Neufassung des Prostituiertenschutzgesetzes lediglich Empfehlungen. Andere sind bereits seit 2002 rechtlich bindend. Die neue Version verankert zusätzliche Pflichten in ihren Paragrafen. Da sie sich im üblichen "Amtsdeutsch" nur eingeschränkt erschließen, fassen wir sie hier mit eigenen Worten zusammen:

Das ist neu für Sex-WorkerInnen

Meldepflicht

Der wohl wichtigste Punkt ist, dass Prostituierte ihre Tätigkeit anmelden müssen. Aus den damit verbundenen Auflagen ergibt sich eine drastische Reduzierung diverser Dunkelziffern. So ist es durch die Anmeldung kaum mehr möglich, nebenbei oder heimlich zu betreiben. Das schränkt illegale oder erzwungene Beschäftigungen auf diesem Gebiet stark ein. Da die erfassten Daten automatisch an das jeweils zuständige Finanzamt gemeldet werden, können die Einnahmen von Prostituierten geprüft werden. So ist nachvollziehbar, in welcher Höhe und aus welcher Quelle Einkünfte vorliegen.

Beratungspflicht

Im Zuge ihrer Anmeldung werden zukünftige oder bereits aktive Sex-WorkerInnen über die für sie geltende Gesetzeslage informiert. Die Aufklärung umfasst Hinweise auf weitere Beratungsangebote, auf den Inhalt des aktuellen Prostituiertenschutzgesetzes sowie auf die soziale Absicherung durch Arbeitslosen-, Renten und Krankenkasse. In einem weiteren Gespräch werden die Erotik-DienstleisterInnen über mögliche gesundheitliche Risiken und deren Vermeidung aufgeklärt. Entgegen einer weit verbreiteten bzw. veralteten Auffassung findet dabei keine Zwangsuntersuchung statt; die ärztliche Kontrolle wird den Prostituierten lediglich angeraten.

Ausweispflicht

Erst nachdem die zukünftigen oder bereits aktiven Sex-WorkerInnen die vorgeschriebenen Beratungen absolviert haben und dies belegen können, erhalten sie eine Anmeldebescheinigung. Sie trägt neben den persönlichen und sonstigen wichtigen Daten ein aktuelles Lichtbild, anhand dessen die / der Prostituierte zweifelsfrei identifiziert werden kann. Ihre Gültigkeit beläuft sich bei unter 21-Jährigen auf 12 Monate; bei allen anderen auf zwei Jahre.

Damit die korrekte Anmeldung jederzeit nachprüfbar ist, müssen Erotik-DienstleisterInnen ihren so genannten "Huren-Ausweis" stets mitführen und auf Verlangen vorzeigen. Ausgenommen hiervon sind alle Aktivitäten, die mit dem angemeldeten Gewerbe nichts zu tun haben. Sind Prostituierte privat unterwegs oder gehen sie einer weiteren beruflichen Tätigkeit nach, müssen sie die Bescheinigung selbstverständlich nicht bei sich tragen.

Solltet Ihr eine/-n Sex-WorkerIn kennen, wundert Euch nicht, dass in ihrem / seinem "Huren-Ausweis" gegebenenfalls ein anderer Name steht als auf sonstigen Personaldokumenten. Auf Wunsch kann die / der Prostituierte sich ein Pseudonym verpassen (lassen), das ihre / seine Identität schützt. Hierfür ist eine zusätzliche Alias-Bescheinigung seitens des Amtes notwendig.

Auffrischungs-Pflicht

Die / der Prostituierte ist verpflichtet, die oben erläuterte Gesundheitsberatung in regelmäßigen Abständen erneut zu absolvieren. Bei unter 21-Jährigen dürfen die diesbezüglichen Termine nicht mehr als 6 Monate auseinander liegen; alle anderen müssen die Beratung jährlich wahrnehmen. Die entsprechenden Nachweise sind spätestens dann zu erbringen, wenn der bisher gültige "Huren-Ausweis" abgelaufen ist und verlängert werden soll.

Möchten Erotik-DienstleisterInnen ihr Gewerbe nach Ablauf der 6- oder 24-monatigen Frist weiterführen, müssen sie die Anmeldebescheinigung aktualisieren (lassen). Bei weiterhin unter 21-Jährigen erfolgt die Verlängerung um ein halbes Jahr; bei allen anderen um zwei Jahre. Erreichen Prostituierte innerhalb der aktuellen Gültigkeit das 21. Lebensjahr, können sie ihren "Huren-Ausweis" sofort auf den längeren Zeitraum datieren (lassen).

Das ist neu für Gewerbetreibende

Parallel zu den Auflagen für Sex-WorkerInnen ändern sich auch die Bestimmungen für das Betreiben eines Prostitutionsgewerbes. Als solches sind

  • das Betreiben von Prostitutionsstätten wie Bordelle, Terminwohnungen oder SM-Studios
  • das Bereitstellen von Prostitutionsfahrzeugen wie Shuttle- oder Party-Busse
  • das Organisieren und Durchführen von Prostitutionsveranstaltungen sowie
  • das Vermitteln von Prostitution

definiert.

Genehmigungspflicht

Für alle genannten Tätigkeiten benötigen Gewerbetreibende eine Erlaubnis. Um diese zu erhalten, müssen sie bei der jeweils zuständigen Behörde ein Betriebskonzept vorlegen, aus dem klar und eindeutig hervorgeht, unter welchen Rahmenbedingungen welche Leistungen angeboten werden sollen. Alle für die Prostitution vorgesehenen Räume und Einrichtungen müssen den dafür geltenden Vorschriften entsprechen - ganz besonders im Hinblick auf Sicherheitsvorkehrungen. Mehr dazu erfahrt Ihr im entsprechend übertitelten Abschnitt.

Straffreiheit

Im Rahmen ihrer Entscheidung darf die Behörde polizeiliche Auskünfte einholen und das Bundeszentralregister einsehen. Finden sich an irgendeiner Stelle Hinweise auf begangene Straftaten, erhält er / sie die notwendige Bescheinigung nicht. Zu den diesbezüglich relevanten Einträgen zählen

  • Vergehen oder Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung
  • Körperverletzung
  • Zwangsprostitution
  • Erpressung
  • Geldwäsche
  • Betrug
  • Vergehen gegen das Aufenthaltsgesetz
  • Mitgliedschaft in verbotenen Vereinen

eigenverantwortliche Prüfung der Zulässigkeit

Nach Erteilung der Genehmigung und Aufnahme des Gewerbes obliegt es den Betreibern, die Zulässigkeit der Prostituierten zu prüfen. Sprich: Sie müssen Vorhandensein bzw. Gültigkeit der "Huren-Ausweise" kontrollieren, ihre Schützlinge auf anstehende Termine hinweisen und sie bei Versäumnissen vom Erotik-Dienst suspendieren. Anderenfalls drohen sowohl ihnen als auch den Sex-WorkerInnen empfindliche Strafen.

Sicherheits- und Gesundheitsschutz

Auch bei Verstößen gegen den persönlichen Schutz der Prostituierten müssen Gewerbetreibende mit Geldbußen rechnen. Doch obwohl es der historisch wohl bedeutendste Durchbruch in puncto Huren-Recht ist, bildet ausgerechnet er eine Hürde. Die längst überfällige Forderung lautet, dass den Erotik-DienstleisterInnen bei der Ausübung ihres Gewerbes "kein Schaden an Leib, Leben oder seelischer Gesundheit" entstehen darf.

Was das für den Gewerbetreibenden heißt, scheint zunächst klar. Aber mit der Einhaltung von Baubestimmungen, der Installation von Sicherheitssystemen und der Gewährung von Pausenzeiten sowie ausreichend geheizten, beleuchteten und bewachten Räumen ist es nicht getan. Der gesamte Ablauf muss sich am Gesundheitsschutz der Sex-WorkerInnen orientieren.

Dazu gehört u.a. die Trennung von Schlaf- und Arbeitsräumen. Das mag paradox klingen, denn schließlich sind Betten die zentralen Möbelstücke in einem Bordell. Doch ebenso wenig wie Ihr am Schreibtisch oder der Werkbank übernachtet, sollen Prostituierte am Arbeitsplatz schlafen. Diese gesetzliche Vorgabe ist jedoch nur sinnvoll und praktikabel, wenn die Sex-WorkerInnen nach Dienstschluss in unmittelbarer Nähe untergebracht sind. Müssen sie das Gebäude oder gar das Grundstück verlassen, steht die Übernachtungs-Vorschrift der gleichzeitig eingeforderten Sicherheit entgegen.

Weisungsverbot

Der Bordellbetreiber darf den Prostituierten keine sexuell orientierten Anweisungen erteilen. Versucht er sie zu bestimmten Praktiken zu überreden oder zwingt er sie gar dazu, macht er sich strafbar.

Auskunfts- und Informationspflicht

Der Unternehmer muss jederzeit bereit sein, Einsicht in den Geschäftsbetrieb und die dazugehörigen Unterlagen zu gewähren. Will es die prüfende Behörde, können Kontroll-Besuche zu allen Tageszeiten erfolgen. Ein Punkt, der rational betrachtet logisch klingt; in der Praxis jedoch für Unmut sorgen dürfte - denn welche/-r Prostituierte möchte sich schon im Schlaf stören lassen und welcher Kunde möchte bei seinem Bordell-Besuch beobachtet werden?

Das gilt für beide Parteien

Neben speziellen Vorschriften für Prostituierte ODER Gewerbetreibende beinhaltet das neue Gesetz auch Punkte, die bei beiden gleichermaßen greifen. Ganz gleich, ob die / der Prostituierte auf Selbstständigen-Basis arbeitet oder für einen Gewerbetreibenden tätig ist, gilt:

eingeschränkte Werbefreiheit

Werbung, die im Umfeld der Prostitution betrieben wird, muss den Aspekt des Gesundheits- und Sicherheitsschutzes berücksichtigen. Darüber hinaus muss sie

  • ethisch korrekt sein und darf
  • keinen gewaltverherrlichenden, -fördernden oder -verharmlosenden Inhalt

haben. So ist es beispielsweise verboten, Sex mit Schwangeren, Flatrates oder Gangbang anzupreisen bzw. mittels "AO"-Werbung die

Kondompflicht

zu unterlaufen. Sie dient nicht nur dem altbekannten Schutz vor Schwangerschaft und sexuell übertragbaren Krankheiten, sondern hat selbstverständlich auch einen hygienischen Hintergrund. Verstoßen ein Gewerbetreibender oder ein /-e Erotik-DienstleisterIn gegen den vorgeschriebenen Gebrauch, wird ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro pro Vorgang fällig. Ist der Kunde derjenige, der die Kondompflicht verletzt, kann ihm sogar das Fünffache dieses Betrages auferlegt werden.

Darüber hinaus macht er sich eines weiteren Vergehens schuldig: des so genannten Stealthings. Der Begriff und die dahinter stehende Praktik sind relativ neu; greifen jedoch immer mehr um sich. Dem Wortsinn nach handelt es sich bei Stealthing um eine "Heimlichkeit" - also etwas, das ohne das Wissen anderer getan wird. Im konkreten Fall bedeutet es, dass der Kunde das Kondom nur zum Schein anlegt oder es während des Sex' wieder abzieht. Ziel dieser Praktik ist es, ungeschützt in den Körper der Partnerin / des Partners zu ejakulieren - und dadurch eine eigenwillige Art von Macht auszuüben.

Doch der Trend ist kein Kavaliersdelikt. Im Ursprungsland USA vertreten Anwälte zunehmend mehr Opfer von Stealthing und erheben Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung und / oder Missbrauch. Denn wer "stealtht" unterläuft eine einvernehmliche Abmachung und gefährdet bewusst die Gesundheit und das Wohlbefinden seiner Sexual-Partnerin / seines Sexual-Partners.

Diese bewusste Gefährdung ist auch hierzulande strafbar: Laut § 224 StGB drohen einem "Stealther" Freiheitsstrafen. Abhängig von der Schwere seines Vergehens können sie sich auf einen Zeitraum von drei Monaten bis zu zehn Jahren erstrecken. Der kurzzeitige Spaß ist also nicht nur äußerst zweifelhaft - sondern kommt Kunden auch noch teuer zu stehen.

Wenn das Vergnügen kein Vergnügen bringt

Mit diesen Worten kommen wir zu den oben angekündigten Besonderheiten, die sich aus der Art der Leistung und dem Usus der Vorauskasse ergeben. Auch sie stellen in gewisser Weise einen Prostituiertenschutz dar; sind aber schon länger im Gesetz verankert.

De facto ergibt sich zwischen der / dem Prostituierten und ihrem / seinem Kunden ein Vertrag, den beide Seiten einhalten müssen. Während die eine Partei eine erotische Dienstleistung erbringt, bezahlt die andere dafür. Was aber, wenn irgend etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte? Dann kommen gleich mehrere Lösungen in Frage:

Angebote studieren

Jede /-r Prostituierte hat individuelle Qualifikationen und Vorzüge. Was Euch die Damen oder Herren zu geben bereit sind, bestimmen sie für gewöhnlich allein. Welche Leistungen die Portfolios der Sex-WorkerInnen enthalten, erfahrt Ihr durch einen Blick auf das jeweilige Profil oder durch direkte Nachfrage. So könnt Ihr ermitteln, ob die Angebote Euren Vorstellungen von Sex und Erotik entsprechen. Ist dies der Fall, stimmt Ihr dem ausgewählten Kontakt zu; passt es nicht, müsst Ihr Euch weiter nach "passenderen" Offerten umsehen.

Da Ihr die möglichen Praktiken der Dame oder des Herrn im Vorfeld kanntet, sind nachträgliche Reklamationen wegen "Nichterbringen einer erwarteten Leistung" ausgeschlossen. Stehen SM-Spiele nicht auf der Karte, dürft Ihr sie auch nicht bestellen - zumindest nicht bei der / dem ausgewählten Prostituierten. Und Euch natürlich erst recht nicht über das Fehlen derselben beschweren.

Eigene Grenzen erkennen

Habt Ihr Euch jedoch mit den Sex-WorkerInnen geeinigt, werden sie alles tun, um die offerierte Leistung tatsächlich zu erbringen. Hexen aber können unsere Erotik-DienstleisterInnen nicht. Seid Ihr als Mann außerstande, eine Erektion zu bekommen oder aufrecht zu halten, ist das ganz allein Euer Problem. Das Gleiche gilt für Frauen, die - aus welchen Gründen auch immer - nicht "auf Touren" kommen: Ihr könnt weder Eure körperliche Verfassung noch seelische Not geltend machen. Auch das Ausbleiben des Orgasmus' berechtigt Euch nicht, einen bereits gezahlten Betrag zurückzufordern.

Zuwider sein und zuwider handeln

Im umgekehrten Fall habt Ihr dagegen gute Chancen, Euer Geld zurückzubekommen. Fühlt sich ein /-e Sex-WorkerIn unmittelbar vor oder während des Beischlafes unwohl, ist er / sie berechtigt, den erotischen Service abzubrechen - dadurch aber auch verpflichtet, Euch den bereits gezahlten Betrag zu erstatten. Ausgenommen von dieser Regel sind Umstände, die Sex-WorkerInnen zwingen, das Treffen zu canceln - beispielsweise, weil Ihr gegen die internen Haus-Regeln verstoßt, Euch über vorher getroffene Absprachen hinwegsetzen wollt oder die vorgeschriebene Kondompflicht missachtet.

Fazit

Wie Ihr seht bzw. lest, ist es gar nicht so leicht mit der käuflichen Liebe. Doch vieles von dem, was das neue Gesetz regelt, wird seinem Namen wirklich gerecht. Wie schnell es in den einzelnen Bundesländern greift und ob es sich in der Praxis bewährt, wird sich jedoch erst noch zeigen müssen. Schon jetzt laufen viele Betroffene gegen das Prostituiertenschutzgesetz Sturm. Hauptkritikpunkte sind die "Verletzung der Persönlichkeitsrechte" und die "Einschränkung der Gewerbefreiheit". Beides wird derzeit geprüft. Bei Neuerungen werden wir Euch selbstverständlich informieren.

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